Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus L.)

Die Gewöhn­li­che Trau­ben­kir­sche (Pru­nus padus L., Syn.: u. a. Padus avi­um Mill., Padus race­mo­sa Lam.) ist eine Pflan­zen­art aus der Gat­tung Pru­nus in der Fami­lie der Rosen­ge­wäch­se (Rosaceae). Der Name kommt von den in Trau­ben ange­ord­ne­ten Blü­ten und Früch­ten. Ähn­lich ist die aus Nord­ame­ri­ka stam­men­de Spät­blü­hen­de Traubenkirsche.

Wuchs

Die raschwüch­si­ge Gewöhn­li­che Trau­ben­kir­sche wächst als som­mer­grü­ner, bis zu 15 Meter hoher dich­ter Baum oder sel­te­ner als ein bis zu 10 Meter hoher Strauch mit über­hän­gen­den Ästen. Der Baum bil­det gewöhn­lich eine tief­an­ge­setz­te und dicht­be­laub­te Kro­ne von schlan­ker und kegel­för­mi­ger Wuchs­form aus. Bei älte­ren Exem­pla­ren beob­ach­tet man eher eine säu­len­för­mi­ge und gewölb­te Kro­ne. Die Gewöhn­li­che Trau­ben­kir­sche besitzt einen rela­tiv gera­de gewach­se­nen Stamm, der eine Stär­ke von etwa 60 cm ent­wi­ckelt. Die bogig auf­stei­gen­den Äste ver­zwei­gen sich locker, die ruten­för­mi­gen Zwei­ge hän­gen häu­fig über. Cha­rak­te­ris­tisch für die Gewöhn­li­che Trau­ben­kir­sche ist das gro­ße Aus­schlag­ver­mö­gen ihrer Wur­zeln. Das Durch­schnitts­al­ter der Gewöhn­li­chen Trau­ben­kir­sche beträgt 60 Jah­re, ihr Höchst­al­ter wird auf 80 Jah­re beziffert.

Die Rin­de ist glatt und dun­kel­grau; bei Ver­let­zung der Rin­de ver­strömt das Holz einen unan­ge­neh­men, schar­fen Geruch. Die Bor­ke bil­det nur bei sehr alten Bäu­men fla­che, läng­li­che Ris­se aus.

Die schlan­ken Knos­pen sind lang zuge­spitzt mit häu­fig einer, meist nach innen gebo­ge­nen Knos­pen­spit­ze. Die 6 bis 14 cm lan­gen leicht behaar­ten Blät­ter ste­hen an 1–2 Zen­ti­me­ter lan­gen Blatt­stie­len. Der Blatt­stiel besitzt an sei­nem obe­ren Ende häu­fig zwei grün­li­che Nek­tar­drü­sen. Die spit­zen oder zuge­spitz­ten Blatt­sprei­ten ent­wi­ckeln eine ver­kehrt-eiför­mi­ge bis ellip­ti­sche Form. Auf­fäl­lig sind die, zum fein gesäg­ten Blatt­rand hin, bogig mit­ein­an­der ver­bun­de­nen Sei­ten­ner­ven. Die Blatt­un­ter­sei­te ist grau­grün gefärbt, die Blatt­ober­sei­te zeigt eine mat­te dun­kel­grü­ne Far­be. Die Herbst­fär­bung ist gelbrot.

Blü­te und Frucht

Die Blü­te­zeit erstreckt sich von April bis Juni. Die zwitt­ri­gen, wei­ßen Blü­ten ste­hen in 10–15 cm lan­gen, zunächst bogig auf­rech­ten, spä­ter hän­gen­den 12- bis 30-blü­ti­gen Trau­ben, die am Ende beblät­ter­ter Kurz­trie­be gebil­det werden.

Die inten­siv rie­chen­den, von bit­ter­man­del­ar­tig, streng süß­lich bis ange­nehm honig­ar­tig beschrie­be­nen Blü­ten locken diver­se Zwei­flüg­ler zur Bestäu­bung an.

Die erb­sen­gro­ße, kuge­li­ge und run­ze­li­ge Stein­frucht ist zuerst rot und dann glän­zend schwarz. Sie reift im Spät­som­mer und wird ger­ne von Vögeln ver­zehrt, die für die Ver­brei­tung der Samen sor­gen. Das herb-bit­ter schme­cken­de Frucht­fleisch ist ungif­tig. Der rund­li­che bis eiför­mi­ge Stein­kern ist zuge­spitzt und weist eine netzig-gru­bi­ge, skulp­tier­te Struk­tur auf. Er ent­hält gif­ti­ge Blausäureglykoside.

Öko­lo­gie

Als Bestäu­ber der Gewöhn­li­chen Trau­ben­kir­sche tre­ten vor allem Schweb­flie­gen, Bie­nen und Fal­ter in Erschei­nung. Nek­tar wird halb ver­bor­gen im Blü­ten­zen­trum ange­bo­ten. Bei aus­blei­ben­der Fremd­be­stäu­bung ist auch Selbst­be­stäu­bung möglich.

Ihr Laub dient meh­re­ren Schmet­ter­lin­gen aus der Fami­lie der Eulen­fal­ter und Span­ner als Rau­pen­fut­ter. Auch die Rau­pen des Zitro­nen­fal­ters ernäh­ren sich gele­gent­lich vom Laub die­ser Pflanze.

Die Pflan­ze wird im spä­ten Früh­jahr nicht sel­ten selek­tiv von Gespinst­mot­ten­lar­ven der Gat­tung Ypo­no­me­u­ta befal­len, die sie kahl fres­sen und mit einem rie­si­gen, silb­rig schil­lern­den, spinn­we­ben­ar­ti­gen Netz über­zie­hen. Nach dem Ver­pup­pen der Rau­pen erho­len sich die­se Gehöl­ze meist wie­der durch Neuaustrieb.

Nach leben an Trau­ben­kir­schen 21 Groß­schmet­ter­lings­lar­ven und ihre Früch­te die­nen 24 Vogel­ar­ten als Nah­rung. Die Vögel ver­brei­ten so die Trau­ben­kir­schen-Samen. Ein eng­li­scher Name der Trau­ben­kir­sche ist bird cher­ry.

Vor­kom­men

Das Ver­brei­tungs­ge­biet der Gewöhn­li­chen Trau­ben­kir­sche erstreckt sich über Euro­pa (außer Mit­tel­meer­ge­biet und Bal­kan­halb­in­sel) bis nach Norda­si­en und nach Japan.

Im Auf­trag der deut­schen Bun­des­an­stalt für Land­wirt­schaft und Ernäh­rung (BLE) wur­den im Rah­men des Pro­jekts Erfas­sung und Doku­men­ta­ti­on gene­ti­scher Res­sour­cen sel­te­ner Baum­ar­ten in Deutsch­land in den Jah­ren von 2010 bis 2013 die Vor­kom­men von zehn sel­te­nen hei­mi­schen Baum­ar­ten in den deut­schen Wäl­dern ermit­telt. Von der Gewöhn­li­chen Trau­ben­kir­sche wur­den dabei in Deutsch­land rund 3,9 Mil­lio­nen Indi­vi­du­en, vor allem in Auwäl­dern, erfasst. Ver­brei­tungs­schwer­punk­te sind Nie­der­sach­sen mit 1,3 Mil­lio­nen Exem­pla­ren und Sach­sen-Anhalt mit 900.000 Exemplaren.

Die Trau­ben­kir­sche mei­det tro­cke­ne und kalk­rei­che Böden, leicht kal­ki­ger Boden wird aber meis­tens tole­riert. Als älte­rer Baum steht sie eher ein­zeln, kommt aber als Ver­jün­gung oft gehäuft in Form von Unter­holz vor. Die Gewöhn­li­che Trau­ben­kir­sche bevor­zugt nähr­stoff­rei­chen, nas­sen oder zumin­dest feuch­ten Lehm‑, Ton- oder Sumpf­bo­den. Sie besie­delt daher vor allem Au- und Bruch­wäl­der und beson­ders die etwas lich­te­ren Stel­len. Die Gewöhn­li­che Trau­ben­kir­sche ist ein Grund­was­serzei­ger. Sie ist in Mit­tel­eu­ro­pa eine Cha­rak­ter­art des Ver­bands Alno-Ulmi­on, kommt aber auch in feuch­ten Gesell­schaf­ten der Ord­nung Fage­ta­lia oder Pru­ne­ta­lia vor.

Ver­wen­dung und Giftigkeit

Die roh bit­ter schme­cken­den Früch­te kön­nen gekocht als Wild­obst zu Mar­me­la­de oder Säf­ten ver­ar­bei­tet wer­den. In Rin­de und Samen dage­gen ist das cya­no­ge­ne Gly­ko­sid Amyg­da­lin ent­hal­ten, wel­ches in Ver­bin­dung mit Was­ser Blau­säu­re abspal­ten kann.

Das Splintholz ist hell, das Kern­holz braungelb/rötlich mit grü­nem Mus­ter. Es ist weni­ger hart als Kirsch­holz, lässt sich gut ver­ar­bei­ten und kann u. a. zum Drech­seln, für Intar­si­en oder zur Her­stel­lung von Spa­zier­stö­cken oder Gerä­te­s­tie­len ver­wen­det werden.

Auf einem ihr zusa­gen­den Unter­grund kommt der Gewöhn­li­chen Trau­ben­kir­sche inge­nieur­bio­lo­gi­sche Bedeu­tung zu. Als indus­trie­fes­tes Gehölz kann sie an Böschun­gen, die durch Abschwem­mung gefähr­det sind, zur Boden­be­fes­ti­gung beitragen.

In Parks und Gär­ten wird die Trau­ben­kir­sche als Zier­ge­hölz eingesetzt.

Schäd­lin­ge und Krankheiten

Von Obst­gärt­nern wird die Trau­ben­kir­sche nicht sehr geschätzt, weil sie hin und wie­der von der Trau­ben­kir­schen-Gespinst­mot­te mas­siv befal­len wird und der Irr­tum, die­se wür­den auf Obst­bäu­me über­wech­seln, sehr ver­brei­tet ist.

Außer­dem ist der Besuch der Wick­ler Acle­ris umbra­na und Phtheo­ch­roa mica­na (Tortri­ci­dae) auf­ge­zeich­net. Wegen der Anwe­sen­heit der Schäd­lings­rau­pen und ihrer Früch­te wegen kommt der Trau­ben­kir­sche als Vogel­schutz­ge­hölz jedoch eini­ge Bedeu­tung zu.

Die Gewöhn­li­che Trau­ben­kir­sche wird von den Rost­pil­zen Och­rop­so­ra ariae und The­kop­so­ra areo­la­ta mit Ure­di­en und Teli­en befallen.

Quel­le: Wikipedia

Illus­tra­ti­on: Otto Wil­helm Thomé (1840 — 1925)

Unse­re Traubenkirsche:

Sie ist auch mal wie­der so ein Find­ling, den wir im Früh­jahr beim Bee­te­vor­be­rei­ten in der “grü­nen Höl­le” gefun­den haben. Wir haben erst­mal nicht gewusst was es ist und muss­ten uns erst­mal schlau machen was es für eine Pflan­ze ist.

Also ist die klei­ne Pflan­ze nicht auf dem Kom­post gelan­det son­dern in einen Topf umge­zo­gen, bis wir sie bestim­men konn­ten. Gefun­den haben wir sie Anfang 2020, da war sie noch abso­lut win­zig, mit ein paar Blätt­chen. Ein Jahr spä­ter ist sie schon gewach­sen und hat im Topf schon ange­fan­gen zu blühen.

Für eini­ge Insek­ten und Wild­vö­gel ist sie ja durch­aus inter­es­sant. Nun haben wir sie mal in die Wild­ge­hölz-Hecke gesetzt und wir wer­den mal schau­en ob sie sich dort durch­set­zen kann.

Heckenf­plänz­chen die sich  von selbst in unse­rem Gar­ten ein­ge­fun­den haben:

Der ande­re im Beet gefun­de­ne Wild­ling den wir erst­mal getopft haben:

Gewöhn­li­cher Ligus­ter (Ligustrum vulgare)

Unser aller ers­ter Hecken-Wild­ling der sich bei uns ein­ge­fun­den hatte:

Gewöhn­li­cher Spin­del­strauch (Euony­mus europaeus)

Im vor­de­ren Gar­ten­teil hat sich am Zaun noch eine wei­te­re Hecken­pflan­ze selbst angesiedelt:

Gewöhn­li­che Maho­nie (Ber­be­ris aquifolium)

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